B. Die erdölreichsten Länder der Welt

Samstag, 20. Mai 2006

Die erdölreichsten Länder der Welt

1.1. Die erdölreichsten Länder der Welt

welt
Abbildung 1: Die 10 erdölreichsten Länder der Welt (Stand: 2004)

Die zehn erdölreichsten Länder (in Millionen Tonnen):
Rang Land 1990 2000 2004
1. Saudi-Arabien 35.164 35.259 35.423
2. Kanada* 779 634 24.071
3. Iran 12.694 12.263 17.199
4. Irak 13.417 15.095 15.430
5. Kuwait 13.097 13.024 13.717
6. VAE 12.892 12.851 12.851
7. Venezuela 8.257 10.750 10.801
8. Russland 6.760 6.609 8.163
9. Libyen 3.005 3.888 5.140
10. Nigeria 2.320 3.053 4.784
... ... ... ... ...
... Deutschland 63 50 55
... Österreich 12 12 9

... Welt 135.734 139.626 173.338

* Der Anstieg 2004 in Kanada ist auf die Hinzurechnung der Ölsande zurückzuführen.

Diese Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen, da viele Länder aus unterschiedlichen Gründen zu hohe oder zu niedrige Zahlen angeben.

1.1.1. Saudi-Arabien:

Saudi-arabien
Abbildung 2: Karte Saudi-Arabiens

Saudi-Arabien ist der größte Produzent von Erdöl weltweit. Das Land ist ein führendes Mitglied der OPEC. Die Erdölförderung wurde 1938 aufgenommen, 1944 der Ölexport. Das staatliche Ölministerium ist die Arabian - American Oil Company die vom saudischen Staat verstaatlicht wurde und mittlerweile die größte Erdölfördergesellschaft der Welt ist. Im Jahre 2000 stammten 12,3 % des weltweit geförderten Erdöls aus Saudi-Arabien. Die Vorräte belaufen sich auf 35 bis 36 Milliarden Tonnen bzw. 262,7 Milliarden Barrel Erdöl. Da Saudi-Arabien 25 % aller bekannten Erdölreserven der Welt besitzt, ist die Wirtschaft des Landes im weitesten Sinne auf alles spezialisiert, was mit Öl zu tun hat. Mit einer Fördermenge von 505,9 Mio. Tonnen Erdöl pro Jahr ist Saudi-Arabien weltweit die Nummer eins. Das zweitwichtigste Wirtschaftsgut des Landes ist Erdgas, danach kommt der Dienstleistungssektor, insbesondere der Tourismus (alljährlich mehr als eine Million Pilger). Saudi-Arabien erwirtschaftete im Jahr 2000 ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 144,4 Milliarden Euro. Das entspricht 6.967 Euro pro Kopf. Der größte Teil am BIP mit 47,7 % wurde in der Industrie des Landes erwirtschaftet, die zum Großteil in der Förderung von Öl und dessen Derivateverarbeitung besteht.

1.1.2. Kanada:

kanada

Der Aufstieg Kanadas zu einem „Big Player“ im Ölgeschäft ist vor allem auf die reichlichen Vorkommen an Ölsand in der Provinz Alberta zurückzuführen.
Fehler! Textmarke nicht definiert.
Abbildung 3: Die Provinz Alberta im Südwesten von Kanada

Das größte Ölsand-Feld der Welt befindet sich in der Nähe der Stadt Fort Mcmurray. Hier lagert mehr schwarzes Gold als in ganz Saudi Arabien. Laut Experten liegen hier und in der Umgebung ca. 48 Billionen Liter Öl. Jedoch anders als das herkömmliche reine Öl ist der ölige Sand eine Mischung aus Bitumen, Sand, Wasser und Lehm. Riesige Maschinen holen das wertvolle Gemisch aus der Erde. Aus einer Tonne Ölsand gewinnen die kanadischen Ölbarone etwa 80 Liter Öl. Das schwarze Gold von Fort McMurray deckt etwa ein Viertel des Ölverbrauchs der Kanadier und hat die Provinz Alberta zu einer der wohlhabendsten des Landes gemacht.

1.1.3. Iran:

Iran
Abbildung 4: Lagekarte des Iran

Zweifelsohne stellt der Erdölsektor des Iran den für die Volkswirtschaft bedeutendsten Teilbereich dar. Mit 125,8 Mrd. Barrel (1 Barrel = 159 Liter) an förderbaren Ölreserven verfügt der Iran über ca. 11% der derzeit nachgewiesenen Welterdölvorkommen. Folgt man optimistischen Schätzungen, so können die förderbaren Reserven durch Erneuerung bzw. den Ausbau der großteils veralteten Fördertechnik mittelfristig auf ca. 130 Mrd. Barrel gesteigert werden. Das gesamte iranische Ölvorkommen wird auf ca. 520 Mrd. Barrel geschätzt. Im Jänner 2006 lag die OPEC-Förderquote Irans bei knapp 4 Mio. bpd (Barrel per day), die Gesamtförderkapazität beträgt nach iranischen Angaben ca. 4,2 Mio. bpd. Täglich werden 2,5 Mio. bpd exportiert, die Hauptabnehmer sind die OECD-Länder, Japan, China, Südkorea und Taiwan.
Mit 940 Billionen m³ an nachgewiesenen Erdgasvorkommen verfügt der Iran nach Russland über die weltweit zweitgrößten Erdgasreserven. Die iranische Erdgasindustrie hinkt jener der Konkurrenten aus der Golfregion (z.B. Qatar) deutlich hinterher und befindet sich erst im Aufbau. 62% der Gasvorkommen sind noch nicht erschlossen. Zur Erschließung und zum Ausbau der Gasvorkommen wurde ein Ausbauplan über einen Zeithorizont von 25 Jahren erstellt. Zwar gibt es bereits einige Gasexporte aus dem Iran in die Nachbarländer (v.a. in die Türkei) allerdings ist der Iran, der Gas aus Turkmenistan importiert, derzeit noch ein Nettogasimporteur.

1.1.4. Irak:


Irak
Abbildung 5: Irak inklusive den angrenzenden Staaten

Wichtigster Wirtschaftszweig des Landes ist die Erdölförderung. Der Irak ist ein Gründungsmitglied der am 14. September 1960 gegründeten OPEC und verfügt über eine der größten Erdölvorkommen der Welt. Man schätzt, dass sich die gesamten Vorräte auf bis zu 250 Mrd. Barrel belaufen könnten. 2001 wurden fast 98 Millionen Tonnen gefördert. Bei voller Leistung der Förderanlagen ist eine Förderung von bis zu 6 Mio. Barrel täglich möglich. Nach der Verstaatlichung der Erdölgesellschaften (1972) und der Ölkrise (1973) erlebte der Irak in den 1970er Jahren einen Wirtschaftsaufschwung, der nach Ausbruch des Ersten Golfkrieges 1980 ein Ende fand. Durch die beiden Golfkriege (1980 - 1988 und 1990/91) sowie des UN-Embargos (1991 - 2003) wurde die Wirtschaft beinahe lahm gelegt. Mit 120 Milliarden US-$ Schulden zählt der Irak zu den am höchsten verschuldeten Ländern der Welt.

1.1.5. Kuwait:

Kuwait
Abbildung 6: Lagekarte von Kuwait

Kuwait ist der viertgrößte Produzent in der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec). Derzeit fördert der kleine Golfstaat täglich rund 2,68 Millionen Barrel (1 Barrel = rund 159 Liter). Das Land kontrolliert rund zehn Prozent der weltweiten Ölvorkommen. Der Wüstenstaat fördert dabei derzeit an der Kapazitätsgrenze etwa 2,5 Mio. Fass Rohöl pro Tag (bpd) und somit 20 % über der OPEC-Fördergrenze. Auf Grund der niedrigen Förderkosten des Landes von 1 bis 2 USD pro Fass wirken sich die jüngsten Rekordstände beim Ölpreis hier besonders positiv auf die Wirtschaft aus. Zusätzlich zu den Ölvorkommen verfügt Kuwait über hohe gesicherte Reserven an Erdgas.

1.1.6. VAE:

VAE
Abbildung 7: Karte der Vereinigten Arabischen Emirate

Bis zum Jahre 1971 gab es die Vereinigten Arabischen Emirate noch nicht. Erst als sich die sechs verschiedenen Emirate und Scheichtümer Abu Zaby, 'Ajman, Al Fujayrah, Ash Shariqah, Dubayy (Dubai), und Umm al Qaywayn Ende 1971 zusammenschlossen entstand der Verbund. Ein Jahr später kam noch das Emirat Ra's al Khaymah hinzu, was den Verbund auf 7 Mitglieder erhöhte.
Das Haupteinkommen des Landes wird durch den Öl- und Gasexport des Emirates Abu Dhabi erbracht. Die gesamten Erdölvorkommen des VAE werden von Experten auf etwa 13 Milliarden Tonnen geschätzt. Die anderen – teils sehr armen Emirate und Scheichtümer - setzen vorwiegend auf Handel und in den letzten Jahren verstärkt auf den Tourismus.

1.1.7. Venezuela:

Venezuela
Abbildung 8: Lagekarte Venezuelas

Bereits vor Christoph Kolumbus war Erdöl in Venezuela bekannt. Die Indianer des Maracaibo Beckens benutzten das Erdöl, welches auf dem Wasser schwamm oder oberflächennah austrat, als Material zum Abdichten ihrer Boote und Hütten. Anfang der 70er Jahre begann die Regierung mit der Nationalisierung des Erdölsektors. 1975 wurde das Gesetz zur Nationalisierung des Erdöls verabschiedet und unter die Aufsicht des staatseigenen Unternehmens Petróleos de Venezuela S.A. (PdVSA) gestellt. Die ausländischen Konzerne wurden entschädigt und mit den ehemaligen Konzessionsinhabern wurden Verträge über technische Zusammenarbeit und die Abnahme von Rohöl geschlossen. Unter dem koordinierenden Dach der staatlichen Erdölgesellschaft PDVSA wurde die dezentrale Förderstruktur beibehalten, wobei die regionalen Untergliederungen von PdVSA den früheren Konzessionsgebieten der internationalen Konzerne entsprach (Shell – Maraven, Exxon – Lagoven, Mobil – Llanoven, Gulf – Meneven). Im Januar 1998 wurde PDVSA umstrukturiert und anstelle der regionalen operativen Unternehmen traten Subunternehmen für die einzelnen Produktionsetappen (Exploration und Produktion, Kommerzialisierung und Verteilung, Dienstleistungen etc.) Mit einer Förderung von 120,8 Mio. t im Jahre 2004 steht Venezuela weltweit an 7. Stelle der erdölproduzierenden Länder. Die geschätzten Reserven liegen bei 8.764 Mrd. t. 1976 wurde die Erdölindustrie nationalisiert. Mit ihr wurde ein Schlussstrich unter die jahrzehntelangen Auseinandersetzungen zwischen transnationalen Erdölkonzernen und dem Staat über die Gewinnaufteilung beendet.

1.1.8. Russland:

Russland
Abbildung 9: Russland samt den angrenzenden Staaten

Russlands Ölförderung ist in den letzten Jahren ständig gestiegen, in diesem Jahr dürfte sie auf rund 460 Mill. t (9,2 Mio. Barrel pro Tag) anwachsen. Experten gehen davon aus, dass die russische Ölgewinnung bis 2010 sogar 600 Mill. t/a (12 Mio. Barrel pro Tag) erreichen kann, allerdings nur, wenn alle dafür erforderlichen Investitionen vorgenommen werden. Ausreichende Reserven seien dafür vorhanden. Sie werden auf Basis der Daten der bekannten Vorkommen auf 16 Mrd. t geschätzt. Der Löwenanteil davon befindet sich mit 74% in Westsibirien. 10% bzw. 7% liegen im Raum Ural, Wolga, Kaspisches Meer sowie im Timan-Petschora-Becken. Der rasche Anstieg der russischen Ölförderung erklärt sich aus dem hohen Tempo bei der Erschließung von Vorkommen durch neue Bohrungen, der Überholung alter Sonden und der besseren Nutzung der Lagerstätten. Zwischen 1996 und 2001 wurde in mehr als 50 Feldern die Ölproduktion begonnen, was zu einer Output-Steigerung um 100 Mill. t/a (2 Mio. Barel pro Tag) führte; heute warten viele weitere neue Felder nur auf ihre Erschließung. Die E&P-Investitionen, die für das Erreichen einer Jahresförderung von 600 Mill. t aufgebracht werden müssen, werden für die Zeit zwischen 2005 und 2013 auf 11 bis 13 Mrd. Dollar pro Jahr geschätzt. Allerdings setzt nach 2012 eine deutliche natürliche Erschöpfung der Lagerstätten ein.

1.1.9. Libyen:

Lybien
Abbildung 10: Lagekarte von Libyen

Libyens Wirtschaft beruht zu einem überwiegenden Teil auf der Erdölgewinnung.
Die libysche Ölindustrie ist verstaatlicht und ausländische Unternehmen beteiligen sich an Explorationsprojekten und Förderungen durch Joint-Ventures mit der staatlichen NOC National Oil Corporation (auch die OMV ist in Lidyen sehr stark vertreten). Mit einer jährlichen Förderung von 1,31 Millionen Barrel pro Tag (ca. 68,4 Mio. t/Jahr) im Jahr 2002 steht Libyen nach Nigeria an zweiter Stelle der erdölfördernden Länder Afrikas. Der libysche Anteil an der Weltförderung (3.452.240 Millionen Tonnen) betrug 2002: 2,11 % (2001: 1,90 %).Die nachgewiesenen Rohölreserven Libyens wurden 2000 auf 4.986 Millionen Tonnen geschätzt. Die Lebensdauer der Erdölvorräte wird derzeit mit 58 Jahren angegeben.
Westliche Ölfirmen jedoch vermuten unter Libyens Wüsten weitere Ölvorkommen in Höhe von etwa 30 Milliarden Barrel – was ungefähr 3 % der weltweiten Ölreserven ausmachen würde.

1.1.10. Nigeria:

Niegeria
Abbildung 11: Nigeria inklusive der einzelnen Provinzen

Der Großteil der Ölvorkommen Nigerias befindet sich im Nigerdelta im Süden des Landes. Die Ölvorkommen wurden in den 1960er Jahren erschlossen und bis heute werden in etwa 2,5 Millionen Barrel pro Tag gefördert. Trotz dieser riesigen Ölvorkommen ist das Nigerdelta eine der ärmsten Regionen Nigerias. Da die Bevölkerung praktisch nichts von den Einnahmen dieser Ölvorkommen bekam, formierte sich gegen den Ölabbau und seine Folgen ein enormer Widerstand. Seit drei Jahren gibt es im Nigerdelta bewaffnete Rebellen, die Regierungstruppen angreifen, Pipelines in Brand stecken und Mitarbeiter von Ölfirmen entführen und töten.
Aufgrund der Anschläge haben die Konzerne die Ölförderung in Nigeria inzwischen um 20 Prozent senken müssen. Als weitere Konsequenz wird auch nur noch ein Teil der Felder ausgebeutet.
Insgesamt werden die Ölvorkommen von Nigeria auf etwa 4,7 Milliarden Barrel geschätzt.

A. Aktuelle Situation am Energiemarkt
B. Die erdölreichsten Länder der Welt
C. Die wichtigsten Erdölförderer weltweit
D. Was ist Ölschiefer
E. Gewinnung und Abbau von Ölschiefer
F. Nutzung von Ölschiefer
G. Vorkommen von Ölschiefer
H. Negative Folgen der Nutzung von Ölschiefer
I. Die Ölschiefernutzung am Beispiel von Estland
J. Ist Ölschiefer eine Alternative der Ölgewinnung
K.Bildschirmpräsentation
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren